Giessener Allgemeine 4-12-09
Nicht nur Tulpani gerettet
In Linden wurde "Tierhilfe Vergiss-Mein-Nicht" gegründet
Linden (gbp). "Zu sehen, was Unrecht ist und nichts dagegen tun, ist Mangel an Mut". Diese Konfuziusworte zum Motto gemacht hat sich der gemeinnützige Verein "Tierhilfe Vergiss-Mein-Nicht", der mit Sitz in Linden am 1. August dieses Jahres gegründet wurde; mittlerweile sind aus den sieben Gründungsmitgliedern schon 18 Mitglieder geworden. Die "Allgemeine" besuchte die Erste Vorsitzende Iris Kumpf in Großen-Linden, auch Zweite Vorsitzende Christiane Westerburg und Schriftführerin Nathalie Tierce nahmen an dem Gespräch teil.
Zusammengeschlossen haben sich die Vereinsmitglieder aufgrund ihres mehrjährigen Engagements für den Tierschutz in unterschiedlichen Bereichen wie zum Beispiel Tierheimleitung, ehrenamtliche Mitarbeit in Tierheimen, Tiervermittlung, Aufklärungsarbeit in der Öffentlichkeit oder pädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. "Wir haben ähnliche Interessen und ähnliche Vorstellungen vom Tierschutz", erzählen die Vorstandsmitglieder, die Tierschutz als moralische Verpflichtung sehen.
Der Schwerpunkt von "Vergiss-Mein-Nicht" liegt in der Vermittlung von Hunden, aber auch Katzen und Kleintieren. Seit der Gründung hat der Verein bereits rund 50 Tiere vermittelt, darunter auch Hunde aus der ungarischen Partnerorganisation "TordasZoo", in dem viele Hunde leben, die aus Tötungsanstalten gerettet wurden. Aber es gibt auch Zusammenarbeit mit regionalen Tierheimen und -organisationen. "Wenn es um den Tierschutz geht, gibt es kein Konkurrenzdenken".
Auf den ungarischen "TordasZoo" wurde man über den Verein "Fellgesichter" aufmerksam. "Tierschutz ist nach unserem Selbstverständnis eine Herausforderung, die nicht vor Staatsgrenzen halt machen darf", betonen die ehrenamtlichen Tierschützerinnen. Die Vermittlung aus der ungarischen Partnerorganisation unterliege westlichem Standard, die Tiere sind geimpft, entwurmt und natürlich gibt es vor einer Vermittlung eine gründliche Auswahl. Schließlich soll das Tier mit seinem Wesen in seine künftige Familie passen. "Wir vermitteln nicht auf "Teufel-komm-raus", so die drei Frauen. Es gebe die Möglichkeit, auf Videos das Verhalten der Hunde zu beobachten, derzeit teste man zum Beispiel anhand von Fellproben, ob ein Hund in eine interessierte Familie passt, in der ein Allergiker lebt. Die meisten Hunde warten in Ungarn auf jemanden der sie aufnimmt, aber einige leben auch in Pflegestellen bei Vereinsmitgliedern.
Zum Beispiel das kleine Pinscher-mix-Mädchen Tulpani, das ein knappes halbes Jahr alt ist und aus einer ungarischen Tötungsanstalt gerettet wurde. Weil sie von Würmern zerfressen war, musste sie am Darm notoperiert werden, wobei ihr ein 30 Zentimeter langes Stück Darm entfernt wurde. Nun ist sie über den Berg - ein energiegeladenes kleines Wesen, das sich auch mit anderen Hunden und Katzen verträgt. "Vergiss-Mein-Nicht" würde sich nicht nur über eine Vermittlung freuen, sondern wäre auch dankbar, wenn jemand eine Futterpatenschaft für Tulpani übernähme, denn sie ist aufgrund ihrer OP auf Spezialnahrung angewiesen.
Ein Energiebündel ist auch der dreijährige Hütehund-Mix Odin, der aus wirtschaftlichen Gründen und Zeitmangel abgegeben wurde. Der dreijährige Rüde lernt sehr gerne und bindet sich eng an seine Bezugsperson, verträgt sich mit Hunden, Katzen und Kindern, er ist stubenrein, fährt mit im Auto und er ist im eigenen Terrain wachsam. Bei seinem Vorbesitzer musste er regelmäßig bis zu zehn Stunden alleine bleiben; nun hat er ein Problem damit, auch nur kurze Zeit ohne seine Menschen zu sein - hier sind Ausdauer und Geduld gefragt. In einer hiesigen Pflegestelle untergebracht ist auch derzeit das drei bis vier Jahre alte Schäferhundmix-Mädchen Moni, die von ihrem Herrchen abgegeben wurde, weil er in der neuen Wohnung keine Hunde halten durfte. Sie ist gehorsam, aufmerksam, stubenrein, verspielt und lebensfroh. Wahrscheinlich war ein Picard unter ihren Vorfahren, ein Hund für Familien mit nicht mehr ganz kleinen Kindern. Einen Medizinpaten sucht dringend die kranke, sechs Jahre alte Westi-Hündin Venus. Sie war so gut wie vermittelt, bis sich herausstellte, dass sie an Lungenfibrose leidet und wohl nicht mehr so lange leben wird und auf teure Medikamente angewiesen ist. Sie wird nicht mehr vermittelt.
Vorstellbar ist für "Vergiss-Mein-Nicht" auch eine Art Betreuungspatenschaft, in deren Rahmen man zum Beispiel regelmäßige Spaziergänge mit Hunden unternehmen könnte. Auch sind mögliche Kooperationen oder Aktionen mit Lindener Kindergärten oder Schulen angedacht, bei denen man Kindern und Jugendlichen den Tierschutz nahe bringen möchte.
Derzeit führt der Verein die Aktion "Warme Pfoten" durch, um für Hunde, die in Ungarn im Winter im Freien frieren müssen, Mäntelchen zu nähen. Dafür wird neben - auch kleinen - Geldspenden auch Wärmendes wie Decken, Kissen, alte Bettlaken oder Körbchen gebraucht.
Am dritten und vierten Advent, am 13. und 20. Dezember, ist "Vergiss-Mein-Nicht" mit einem Infostand auf dem Gießener Weihnachtsmarkt vertreten; auch Sachspenden werden entgegengenommen und Kleinigkeiten wie Gebasteltes und Hundekekse zum Verkauf angeboten. Der Erlös kommt in vollem Umfang den Tieren zugute. Der Standort wird auf www.tierhilfe-vergissmeinnicht.de bekanntgegeben, dort finden sich auch zahlreiche Informationen über den Verein und die Tiere, die auf eine Vermittlung warten.
